Sonntag, 29. Oktober 2023

Tramper-Karriere

Zwischen Lappland und Lissabon

Per Auto-Stopp unterwegs

Angefangen hat es ziemlich unspektakulär. Ich hatte meinen langjährigen Mentor Josef B. zum Klausenhof am Niederrhein begleitet, wo er seine Ausbildung zum Entwicklungshelfer antrat. Danach musste ich irgendwie ins Allgäu zurückkommen. Und so versuchte ich erstmals mein Glück als Tramper. Schnell voran kam ich dabei nicht, denn zwischen Oberhausen und Ulm verbrachte ich viele Stunden als Beifahrer in einem mit schwerem Stahl beladenen und deshalb unheimlich langsam fahrenden LKW. Dennoch war ich am nächsten Nachmittag daheim. Und auch wenn die erste Erfahrung nicht übermäßig motivierend war, ließ es mich danach doch nicht mehr los. Sooft es möglich war, begab ich mich auf die Landstraße, sei es, um am Wochenende nur von meiner Schule in Wolfratshausen nach Stiefenhofen zu kommen, sei es aber auch für größere Rucksack-Reisen in den Ferien.  

Meine erste größere Erfahrung als Tramper sammelte ich dann im Jahr darauf zusammen mit einem Schulfreund aus Donauwörth bei einer Tour über Belgien, England und Wales bis in den Nordwesten Irlands, bei der bei weitem nicht alles bestens geklappt hat. Bereits in Mannheim hatten wir uns in aussichtsloser Lage trennen müssen, und erst in einer Jugendherberge in Dublin haben wir uns eher zufällig wieder getroffen.  
Auf diese Weise kam ich später aber auch durch ganz Italien bis Sizilien, wobei mir in Rapallo ein folgenschweres Missgeschick passierte, weil ich schwitzend meine Brille auf dem Betonsockel an der Mautstelle bei der Autobahneinfahrt ablegte und dann prompt vergaß, als mich ein Carabinieri in Zivil mitnahm, der mich dann aber ganz ungünstig in einer Verzweigung der Autostrada absetzte. 

Als ich bereits in Freiburg studierte, stoppte ich mehrfach nach Paris
Ein andermal ging es quer durch das damals noch von Franco regierte Spanien bis in das ebenfalls noch von einem Diktator beherrschte Portugal. Und weil ich mir in den Kopf gesetzt hatte, vom Weg nach Lissabon unbedingt noch einen zeitaufwändigen Abstecher zum Wallfahrtsort Fatima zu machen, kam ich erst sehr spät am Abend in der Hauptstadt am Tejo an, wo ich keine reguläre Unterkunft mehr fand. Zu meinem alternativen Vorhaben, die Nacht irgendwo im Parque Eduardo VII auf einer Bank zu verbringen, kam es dann doch nicht. Denn ein vermeintlich wohlmeinender junger Kerl, der mich bereits beim Verlassen der Metro-Station auffällig beobachtet hatte, riet mir davon eindringlich ab, da die Polizei das nicht dulde. Stattdessen bot er mir an, mich mit in seine casa zu nehmen, da seine Eltern gerade verreist seien. Nach einem ziemlich langen Fußmarsch erreichten wir schließlich in einem Elendsquartier die Unterkunft, die sich eher als eine Hütte entpuppte. In der folgenden Horror-Nacht fürchtete ich nicht nur um mein Geld und auch – vielleicht unberechtigt – um mein Leben, sondern schnappte auch noch Flöhe auf, die ich dann zwei Tage lang in fremden Autos mit mir führte. Ich schäme mich heute immer noch bei dem Gedanken, dass ich so – quasi biologisch kontaminiert – einen halben Tag lang auf dem Rücksitz zwischen zwei Töchtern einer Madrider Familie saß. Was mögen die wohl später über diesen Aleman gesagt haben? Als ich diese Tierchen dann endlich wieder abgeschüttelt hatte, ging es weiter zur spanischen Südspitze, von wo aus ich bei einem Schiffsausflug nach Ceuta erstmals zumindest geografisch den afrikanischen Kontinent betrat. 
Ganz andere Erfahrungen machte ich, als ich zusammen mit einem Schulkameraden beiderseits des Polarkreises in Lappland trampend unterwegs war. Denn da mussten wir schmerzlich erfahren, wie hilflos doch ein Mensch ist, wenn er sich Schwärmen von aggressiven Stechmücken schutzlos ausgesetzt sieht und keinerlei Fluchtmöglichkeit hat.

Fazit: Diese oft sehr beschwerliche Art zu reisen war mir mit der Zeit fast zu einer Passion geworden, bot sie doch weit mehr als nur einen Hauch von Abenteuer, da man ja nie wissen konnte, wie weit man kommen bzw. ob man überhaupt wegkommen würde. Und außerdem lag für mich ein besonderer Reiz an diesem Reisen darin, dass ich dabei immer wieder mit unbekannten Menschen in Kontakt kam, mit denen ich – ohne Rücksicht auf die grammatische Richtigkeit – ganz ungeniert in einer Fremdsprache reden konnte, und zwar über alle denkbaren Themen, auch über heikle und tabu-belegte. Schließlich konnte man ja so gut wie sicher sein, dass man sich nie mehr begegnen würde.


Wirtshaus-Kind

 In einem Allgäuer Gasthaus daheim

Wer selbst in einer Gastwirtsfamilie aufgewachsen ist, weiß wovon ich rede. Man hat auf so manche Annehmlichkeiten und Intimitäten, die in einer halbwegs intakten Normal-Familie üblich sind, verzichten müssen. Zudem musste man seine persönlichen Bedürfnisse und Wünsche oft zurückstellen, weil die Gäste halt immer wichtiger waren. Andererseits habe ich auch von manchen Vorteilen profitiert, die ich im Rückblick nicht zu gering schätzen will.


Lehrreiche Stunden

So boten sich mir in unserem Gasthaus zum Rössle in der Stiefenhofener Ortsmitte auch sehr interessante und lehrreiche Stunden, wenn ich als kluinar Buâ oft in der Gaststube an einem Nebentisch sitzen durfte und mir interessiert anhörte, was sich die Männer am Stammtisch alles zu erzählen hatten. Es ging dabei in den 50-er Jahren noch sehr oft um die Erlebnisse im Krieg und in der Gefangenschaft – schließlich fehlte mindestens dreien der Stammgäste als böse Erinnerung daran ein Arm. Gesprächsstoff bot in dieser Wirtshausstube aber auch oft der Umsturz von 1945 mit dem Iruckê der in französischen Diensten stehenden Marokkaner, was ich anfangs immer mit Amerikaner verwechselt hatte. Als nämlich diese sich von der südwestlichen Anhöhe dem Dorf genähert hätten, soll gerade ein Bauer beerdigt worden sein. Die Trauergemeinde auf dem Friedhof habe deshalb befürchtet, dass sich diese fremden Soldaten über das von meiner Mutter für das anschließende Opfêr vorbereitete Essen her machen würden, wofür sicher eine Sau schwarz geschlachtet worden war. Möglicherweise hätte sich die Befürchtung auch bewahrheitet, wenn da eine christliche Einheit einmarschiert wäre. Viel geredet wurde in der Gaststube auch immer über das anschließende Errichten der amerikanisch-französischen Zonengrenze mitten durch die Pfarr- und Schulgemeinde. Und meine Mutter verwies häufig auf die schlechten Nachkriegsjahre, auf d’ R-Mark-Zit, als man sich kaum mehr was kaufen konnte und sich weitgehend auf das Tauschen verlegt hatte, was ihr als Wirtin das Auskommen besonders schwer gemacht hat. Und welch eine Erlösung die Einführung der D-Mark gewesen sei, kam auch oft zur Sprache.

links  das Gasthaus zum Rössle in Stiefenhofen

So manchen Gesprächsstoff boten natürlich auch die nach 1945 in der Gemeinde untergebrachten Flichtling, die man nie Vertriebene nannte, was ja ihr Schicksal zutreffender beschrieben hätte. Was ich in den 50-er Jahren noch über diese bereits integrierten Mitbürger in der Gaststube vernehmen konnte, klang keineswegs immer schmeichelhaft. Des Öfteren erinnerte man sich aber auch an jenen Mai-Abend bei Kriegsende, als eine Gruppe von Vertriebenen, darunter eine danach bei uns einquartierte Familie aus dem Egerland, auf einem Lastfahrzeug antransportiert wurde, was bei den Einheimischen nicht nur Mitleid und spontane Hilfsbereitschaft ausgelöst habe. Eine ältere Frau, die gerade auf dem Weg zur Mai-Andacht gewesen sei, habe sich bei diesem Anblick sogar deutlich vernehmbar zu einer bösen Vermutung hinreißen lassen, welche ich später von meiner Mutter mehrfach folgendermaßen zitiert vernahm: Mein Gott, was werêt doch âû des fiâr Litt si, wo alls als it schaffê megêt


Auch heikle Themen am Stammtisch

Vermutlich nur im kleineren Gästekreis und eher zurückhaltend kam manchmal die Rede auf eine eher heikle Geschichte, auf das Zusammenleben und den Umgang mit den Gefangenen, hauptsächlich Polen, die in den Kriegsjahren bei verschiedenen Bauern zwangsverpflichtet arbeiteten. Manche Bauernfamilien seien, so konnte ich vernehmen, mit ihren Fremdarbeitern sehr gut gefahren, hätten diese aber auch anständig behandelt. Von meiner Mutter hörte ich in diesem Zusammenhang einige Male, sie sei von einem der zwei Ortsgruppenleiter mehrmals eindringlich verwarnt worden, weil sie diesen Männern erlaubt habe, sich am Sonntag nach dem Amt in unserem Schopf zu treffen und weil sie ihnen dann und wann sogar Bier ausgeschenkt habe. Nicht unerwähnt blieb am Stammtisch auch, dass dieser Ortsgruppenleiter – ich erlebte ihn in den späten 50-er Jahren als ziemlich unauffälligen Mitbürger – nach dem Umsturz von einigen Fremdarbeitern aufgesucht worden sei, nicht nur zu einem klärenden Gespräch. Zur Sprache kam aber auch, dass es einigen weniger eifrigen Parteimitgliedern später zum Vorteil gereicht habe, wenn sie vor der Entnazifizierungskommission eine anständige Behandlung ihrer Gefangenen nachweisen konnten. Ich meine, dass ich damals bereits eine gewisse Genugtuung empfand, wenn ich aus den Erzählungen heraus hören konnte, dass die in der NS-Zeit von oben angeordneten Gegensätze zwischen Freund und Feind, zwischen Volksgenossen und (slawischen) Untermenschen, sich im Kriegsalltag auf dem Land doch ziemlich verwischten. In diesem Zusammenhang ist auch erwähnenswert, dass ich während meiner Kindheit und Jugendzeit weder in der Gaststätte noch sonst wo in der Gemeinde je auch nur andeutungsweise etwas über die Geschichte des jüdischen Mädchens Gabriele Schwarz (im Film Leni genannt) erfahren habe, deren Schicksal erst Jahrzehnte später publik und sogar verfilmt wurde. Dabei habe ich die Familie, bei der diese Gabriele bis zu ihrem Abtransport in ein Vernichtungslager gelebt hatte, ziemlich gut gekannt.

All diese Informationen, welche ich in dieser Gaststube aufschnappte und irgendwie speicherte, bedeuteten für mich natürlich auch einen deutlichen Wissensvorsprung gegenüber meinen Altersgenossen. Aber nicht alles, was ich da zu hören bekam, konnte ich wirklich ganz verarbeiten. So erinnere ich mich heute noch gut an ein menschliches Unikum namens Ulrich, den die russische Gefangenschaft vermutlich besonders stark mitgenommen und geprägt hatte. Er war Doolê-Gräbar, war also tagsüber damit beschäftigt, in nassen Wiesen Gräben auszuheben und Sickerrohre zu verlegen. Gegen Abend kam er dann oft mit am dreckêtê Häß und mit Lehm verschmierten Lederstiefeln in die Gaststube, wo er regelmäßig auf ausgebreitetem Zeitungspapier an einem separaten Tisch saß. Von dort redete er meist deutlich hörbar mit sich selbst, manchmal auch überlaut wirres Zeug in Richtung Stammtisch, ohne jedoch von dort wirklich eine Reaktion zu erwarten. Er erwähnte häufig den Kaukáásus (so betont!) als sein Einsatzgebiet, und es fielen von ihm immer wieder zwei weitere Ausdrücke: Iwan und Nixbollomai. Ersteres deutete ich wohl damals schon als Umschreibung für Russe, letzteres konnte ich jedoch erst Jahrzehnte später mit der russischen Verbform ne ponumaju in Verbindung bringen, was ja schlicht und einfach bedeutet ich verstehe nicht


Auch unschöne Einblicke

Die häufige Anwesenheit in den Gasträumen und das aufmerksame Beobachten der Wirtshausgäste waren für mich, den kleinen Bub, nicht nur lehrreich, sondern boten mir auch schon sehr früh tiefe Einblicke in die unschönen, ja abstoßenden Seiten der ländlichen Gastronomie und in manche mit dem Alkoholkonsum verbundenen menschlichen Abgründe. So bekam ich schon sehr früh mit, welche von den Männern, die im Alltag durchaus als rechtschaffen galten, unter stärkerem Alkoholeinfluss ihre negativen Seiten nach außen kehrten. Manche wollten beispielsweise beim Bezahlen nicht zu der von ihnen konsumierten Menge stehen und ließen es dann gegenüber dem Bedienungspersonal arg an Anstand missen. Andere machte der Alkohol gelegentlich streit- und raufsüchtig, wobei sie dann oft problemlos ein kampfbereites Gegenüber fanden. Es gehört wohl zu den unangenehmsten Pflichten von Wirtsleuten, in solchen Fällen besonnen aber klar durchzugreifen. Manchmal musste ich aber auch erleben, dass der Alkohol durchaus gestandene und allseits geachtete Mannsbilder zu erbärmlich hilflosen Wesen mutieren ließ. Und einmal wurde ich sogar Augenzeuge, als der voll betrunkene ledige Bäcker aus der Nachbarschaft nach einer Veranstaltung von einigen jungen Männern heim geschleppt und dann vor seinem Haus einfach achtlos auf einem Haufen Daas abgelegt wurde. Später hat man den hilflosen Kerl dann doch noch in sein Bett gebracht, von dem er aber nie mehr aufstand.

Dienstag, 24. Oktober 2023

Fahrrad-Erinnerungen

Das Rad als Begleiter durchs Leben


Die Anfänge

In den am weitesten zurückreichenden Erinnerungen sehe ich mich in sehr einfachen Kindersitzen auf dem Fahrrad meiner Mutter. Befestigt waren diese Sitze entweder vorne an der Lenkstange oder hinten auf dem Gepäckträger. Ich meine  mich auch zu erinnern, dass wir so ausgestattet einmal zum Kinderfest in die Nachbargemeinde Ellhofen gefahren sind, wobei wir allerdings die Räder vor dem steilen Abstieg zum Tobelbach stehen ließen und den Rest des Weges zu Fuß zurücklegen mussten.  

Das selbständige Radeln lernten wir Buben überwiegend auf gewöhnlichen Damenrädern. Wohl weil wir das emotional nicht als angemessen empfanden, bedienten wir uns gelegentlich auch großer Herrenräder und nahmen dafür die für uns viel zu hohen Stangen als Hindernis in Kauf. Folglich mussten wir dann das rechte Bein unter der Stange hindurch auf das rechte Pedal setzen, was nur ein ziemlich schräges Fahren zuließ.

Zu meiner großen Überraschung stand am Heiligen Abend des Jahres 1958 ein zu meiner Körpergröße passendes "Jugendrad" der Marke Rixe neben unserem Christbaum, wenngleich dieses Geschenk nicht so recht zu den winterlichen Straßenbedingungen passen mochte. Dieses Rad und alle späteren Drahtesel dienten damals aber immer primär dazu, die nötigen Distanzen zurückzulegen, etwa zum Eis-Essen in Oberstaufen oder zum Fußballspielen in anderen Dörfern. Als regelrechtes Sportgerät oder gar als Kultgegenstand haben wir Fahrräder damals nie gesehen.  


Die erste große Radtour

Als ich mit gut 20 Jahren die Landwirtschaft aufgegeben hatte und in einer Schule in Wolfratshausen den Zweiten Bildungsweg eingeschlagen hatte, konnte ich endlich meine Ferien nach meinen Vorstellungen verplanen. Und so erwachte in mir die Vorstellung, ich müsste endlich was ganz Außergewöhnliches unternehmen. Da ich nebenbei als Wahlfach bei unserem Schuldirektor ein wenig Italienisch gelernt hatte, drängte sich eine Radtour nach Italien, möglichst bis Rom, geradezu auf. Dazu musste ich aber erst mal irgendwo einen gebrauchten Halbrenner erstehen, mehr erlaubte mein knappes Budget nicht. Und so startete ich eines Morgens im August des Jahres 1970, relativ schlecht vorbereitet und noch mangelhafter ausgestattet, zu meiner Italienischen Reise und begab mich so auf die Spuren von Johann Wolfgang von Goethe. 


Wie diese Radtour in der Geografie genau verlief und welche Etappen ich dabei zurücklegte, zeigt die nebenstehende Karte. Welche Erlebnisse damit verbunden waren und welche Torturen dies mit sich brachte, könnt ihr ausführlich in meinem Buch "Herbststimmung - Erinnerungen und Gedanken eines Allgäuers" (ISBN 978-3-347-23227-3) nachlesen. 
Eine gekürzte Version findet ihr auch in einem eigenen Post in meinem Blog "Allgäu und mehr"










Eine Leidenschaft und ihr Ende

Mit dem Radfahren im großen Stil war es nach der Italien-Fahrt zunächst vorbei. Erst als ich in Freiburg mein Studium begonnen hatte, wurde mir ein solch zweirädriges Gefährt wieder zu einem wichtigen Begleiter, einerseits für den täglichen Weg zur Uni, sofern es die Witterung zuließ, andererseits auch für Ausflüge an Wochenenden, vorwiegend in den Kaiserstuhl und ins Elsass. Und noch mehr Bedeutung erlangte das Radeln, als ich bereits in Augsburg studierte und dort meinen Partner kennen gelernt hatte. Gleich in den ersten Tagen unserer Bekanntschaft unternahmen wir einen kleinen Ausflug in die Westlichen Wälder. Und dies war erst der Anfang einer kleinen Leidenschaft. So manches Wochenende und manch ein Kurzurlaub waren für uns nun ausgefüllt mit Radtouren. Das geeignete Wegenetz im weiten Umkreis um Augsburg, vom Ammersee bis ins Ries, wurde uns ziemlich vertraut. Bei Mehrtagesfahrten kamen wir bis Passau, mühten wir uns in einer Dolomitenrunde über mehrere Pässe, durchquerten wir den Norden Deutschlands von Lüneburg über Lübeck, Kiel, Flensburg und durch ein kleines Stück Dänemark bis Sylt. Ein anderes Mal war die ostfriesische Küste von Emden bis zum Jadebusen auf unserem Plan. Wir verlängerten auch meinen früheren Italien-Trip um die Strecken von Florenz nach Rom und später mal von Rom bis Ischia und Neapel. Kaum war der Eiserne Vorhang gefallen, zog es uns mit Fahrrad und Zweimannzelt nach Südböhmen und in den Böhmerwald; und ein Jahr später ging es an der Ostsee von Rostock über Hiddensee bis Rügen. Als die Kondition dann schon langsam nachließ, bevorzugten wir zunehmend die gemütlicheren Fahrten, etwa um den Bodensee oder entlang bekannter Flüsse wie Altmühl, Donau, Main, Tauber und Saar-Mosel. Ein Höhepunkt war natürlich auch für uns der Klassiker des Flussradelns: Die Donau von Passau bis Wien und sogar noch darüber hinaus bis an die ungarische Grenze. Von dieser keineswegs spektakulären Tour, die wir im Frühsommer 2001 zusammen mit unserem Nachbarn Toni unternommen haben, hielt ich kurz nach der Rückkehr die interessantesten Begebenheiten und Erlebnisse in einem ausführlichen Bericht fest, den ihr ebenfalls in meinem oben erwähnten Buch finden könnt. 

Eine Abfolge von Krankheiten, die mich ab Oktober 2021 getroffen hat, sowie die zunehmende Schreckhaftigkeit meines Partners zwingt uns jetzt aber dazu, auf längere Fahrten mit dem Rad ganz zu verzichten, sodass ich inzwischen von mehreren verfügbaren Rädern im Keller fast nur noch eines für gelegentliche Fahrten innerhalb der Stadt benutze.